Gerhard Metz, Gründer der IST METZ Gruppe, Pionier in der UV-Trocknung, feierte am 17. Mai seinen 75. Geburtstag: Wir sprachen mit dem leidenschaftlichen Ingenieur über seine beruflichen und menschlichen Erlebnisse auf seinem Weg vom Studenten zum Unternehmer.
Herr Metz, mit welcher grafischen Form würden Sie Ihr Leben definieren: Gerade oder Welle?
Ganz eindeutig als stetig ansteigende Gerade. Für mich war das eine Reihe von richtigen Entscheidungen, die mich stets weiter gebracht haben.
Dabei sind auf den ersten Blick doch einige Umbrüche in Ihrer Biographie zu verzeichnen...
...Aber genau die haben letztlich zu meinem Erfolg beigetragen. Sehen Sie, das fing schon mit meiner Studienzeit an: Ich war einer der ersten Ingenieure für Strahltriebwerke der DDR. In Ludwigsfelde war ich später der erste DDR-Ingenieur, der Prüfstände für Strahltriebwerke konstruieren und aufbauen konnte. Das war bereits ein gelungener Einstieg ins Berufsleben, und der gelang mir wohl auch, weil ich früh Vater geworden war und schnell lernte, was Verantwortung bedeutet.
Was hatte Sie aber dann zum Wechsel in den Westen bewogen?
Die DDR stellte im Frühjahr 1961 den Bau eigener Flugzeuge ein, ich hätte also nicht mehr in meinem eigentlichen Beruf arbeiten können. Das und die Verschlechterung der Versorgungssituation hatten meine Frau und mich dazu bewogen, Ende Juli 1961 nach West-Berlin zu gehen. Diese eher leichte Flucht mit der S-Bahn erwies sich wieder als Schritt nach oben: Nachdem wir aus dem Auffanglager nach Nürtingen geschickt wurden, fand ich sofort wieder Arbeit als Ingenieur für Triebwerk-Prüfstände.
Wie kamen Sie denn mit der UV-Trocknung in Berührung?
Das war 1967, ich war ein paar Jahre zuvor aus der Luftfahrtbranche in die Trocknungstechnik gewechselt. Meine Mitarbeiter hatten meine Zweifel mitbekommen, dass man mit der eher simplen Produktpalette der Firma Hildebrand langfristig überleben kann. Wir sammelten Ideen und einer brachte die UV-Trocknung ins Spiel. Bald stellten wir eine erste Anlage zur UV-Trocknung vor, die wir sehr erfolgreich auch in der damaligen Sowjetunion verkauften. Der UV-Bereich wurde 1977 in die Werner & Pfleiderer-Hildebrand-Strahlentechnik GmbH, die STG ausgelagert. Als dann 1982 der Konkurs des Anteilseigners Hildebrand kam, stand das alles mit auf der Kippe. Da bewährte sich einmal mehr die Entschlussfreude meiner Frau Renate: Sie besorgte kurzerhand Kapital und wir konnten die STG kaufen. Dann hatten wir zwar privat nichts mehr, aber immerhin die eigene Firma.
Ihre Frau scheint eine wichtige Rolle in ihrer Karriere gespielt zu haben?
Wäre sie nicht gewesen, dann wäre mir vieles nicht so gelungen, wie es sich heute darstellt. Wir mussten uns von Anfang an strecken, auch weil früh unsere erste Tochter da war. Renate war immer mutig und unterstützte mich in vielen Entscheidungen tatkräftig. Sie kümmerte sich nicht nur zuhause, sondern auch bei der STG und dann in der IST METZ GmbH sehr erfolgreich um die Finanzen. Letztlich hat sie es mir ermöglicht, meinen Wunsch Unternehmer zu werden wahr werden zu lassen.
Waren Sie eigentlich nie nervös bei diesen weit reichenden Entscheidungen, die sie getroffen haben?
Nein. Wir waren uns immer bewusst, dass es Risiken gibt und haben uns eigentlich nie etwas daraus gemacht, wenn es knapp zuging – das waren wir schon aus früheren Zeiten gewohnt. Und es ging ja auch schnell aufwärts. Ich erinnere mich noch, als wir um die 30 Mitarbeiter hatten, da wähnte ich mich schon auf meinem Lebenshöhepunkt. Ich kannte jeden Mitarbeiter, deren Familien, es war ein tolles Arbeiten in einer sehr persönlichen Atmosphäre.
Wenn man die heutige IST METZ-Gruppe sieht, war da aber noch lange nicht Schluss...
Das Unternehmen wuchs weiter, und wir brauchten Platz – da entdeckten wir bei einem Spaziergang das neue Industriegebiet in Nürtingen-Zizishausen, kauften kurzerhand einen Bauplatz und erstellten 1985 den ersten eigenen Bau. Uns ging es damals richtig gut, wir machten seinerzeit bereits 30 Millionen Mark Umsatz und hatten mit den Mitarbeitern entsprechend oft Anlass zum Feiern.
Ihr Verhältnis zu ihren Mitarbeitern war offenbar schon immer ein besonderes?
Naja, mir sagt man im Spaß nach, dass ich eben doch ein bisschen Sozialismus mitbekommen habe. Es gab immer ein gemeinsames Leben abseits der Arbeit, vom gemeinsamen Feierabendbier bis hin zu Skatrunden. Das menschliche Miteinander, das war uns immer wichtig. Sicherlich hat das auch geholfen, zum Beispiel bei der Abwicklung der immer zahlreicher werdenden Aufträge. Aber das war nicht der Grund,um teilweise echte Freundschaften mit den Kollegen zu schließen und mich sozial zu engagieren – das liegt wohl einfach in meiner Natur.
Wie haben Sie denn zu Ihrem Ausscheiden aus dem Tagesgeschäft sichergestellt, dass sich diese Unternehmenskultur erhält?
Das ist gleich doppelt abgesichert: Zum einen wurde 55% des Eigentums der Unternehmensgruppe in eine Stiftung übertragen, die von meiner Frau und mir sowie von einem Stiftungsrat kontrolliert wird, der nach unserem Tod die richtige Führung in unserem Sinne weiter bestimmt. Daneben vertraute Metz die Führung bei seinem Aussteig den Geschäftsführern Joachim Jung und dem Schwiegersohn Peter Zylka an. Beide waren langjährige Mitarbeiter, “bei denen ich mir sicher sein konnte, dass sie die Unternehmen so weiter führen”. Der Schwiegersohn des Gründerpaars zog als Frühpensionär nach ein paar Jahren nach Italien. Leider sei Jung früh verstorben, doch mit Dirk Jägers als Geschäftsführer werde die Leitung von IST METZ mit der gleichen sozialen Verantwortung weitergeführt, wie Metz erklärt.
Wie verbringen Sie seither Ihren Ruhestand?
Am liebsten zuhause – und das ist Waren an der Müritz, wo ich aufgewachsen bin und wo ich beim Kinderfasching meine Frau kennengelernt hatte. Wir hatten zunächst ein Haus am Tegernsee, da habe ich mich mit handwerklichen Dingen beschäftigt – wir haben immer schon gerne gebaut. Seit wir nach Waren umgezogen sind, fahre ich gerne mal mit dem Motorboot raus, meine Frau und ich engagieren uns aber auch in unserer Heimatregion. Wir fördern einen Sportverein oder die Kirche, in der wir getraut worden sind, ich unterstütze Schachausbildung von Kindern in und um Waren und meine Frau ist in der Blindenförderung und anderen hilfsbedürftigen Vereinen aktiv. Und dann reisen wir ab und zu nach Nürtingen, einfach um auf dem Laufenden zu sein und um Freunde zu treffen. Sonst reisen wir kaum, warum auch – wir sind rundum glücklich an der Müritz.